Fachkräftemangel bezeichnet die Situation, in der offene Stellen mangels passend qualifizierter Personen nicht oder nur schwer besetzt werden können. In Österreich ist er in vielen Branchen spürbar und verschiebt die Marktmacht zu den Kandidat:innen.
Das Wichtigste in Kürze
- Laut WKÖ-Arbeitskräfteradar 2025 sind rund 78 % der befragten Betriebe vom Arbeits- und Fachkräftemangel betroffen.
- Besonders betroffen sind u. a. Technik, Pflege, IT und Tourismus.
- Der Mangel verschiebt die Marktmacht: Kandidat:innen können zwischen mehreren Angeboten wählen.
- Erfolgreiche Besetzung setzt auf Active Sourcing, Arbeitgebermarke, kurze Time-to-Hire und passiv Suchende.
Was ist Fachkräftemangel?
Von Fachkräftemangel spricht man, wenn dem Arbeitsmarkt in bestimmten Berufen oder Regionen nicht genügend passend qualifizierte Personen zur Verfügung stehen, um die offenen Stellen zu besetzen. Er ist zu unterscheiden vom allgemeinen Arbeitskräftemangel (zu wenige Arbeitskräfte insgesamt) und vom Skills Gap, der Lücke zwischen vorhandenen und benötigten Kompetenzen.
Wie stark ist Österreich betroffen?
Der Mangel ist in Österreich in vielen Branchen deutlich spürbar. Der Arbeitskräfteradar 2025 der Wirtschaftskammer Österreich weist aus, dass rund 78 Prozent der befragten Betriebe vom Arbeits- und Fachkräftemangel betroffen sind. Besonders angespannt ist die Lage etwa in technischen Berufen, in der Pflege, in der IT und im Tourismus.
Folge: gedrehte Marktmacht
Wo qualifizierte Menschen knapp sind, wählen sie zwischen mehreren Angeboten. Reicht das Inserat aus? Immer seltener. Arbeitgeber müssen aktiv und überzeugend auf Kandidat:innen zugehen.
Was hilft gegen den Fachkräftemangel?
- Active Sourcing: passende Menschen direkt ansprechen, statt auf Bewerbungen zu warten.
- Passiv Suchende erreichen: Der Großteil des Marktes sucht nicht aktiv, ist aber offen für gute Angebote.
- Starke Arbeitgebermarke: ein glaubwürdiges Versprechen, warum man hier arbeiten sollte.
- Kurze Time-to-Hire: schnelle, klare Prozesse, damit gute Kandidat:innen nicht an schnellere Wettbewerber verloren gehen.
- Skill-based Hiring: den Kandidatenkreis über formale Kriterien hinaus öffnen, auch für Quereinsteiger:innen.
Reaktiv
Stelle inserieren und auf Bewerbungen warten. Funktioniert bei knappen Fachkräften kaum noch.
Proaktiv
Zielgruppe direkt und relevant ansprechen, Talent-Pool pflegen, Prozess schlank halten und die Arbeitgebermarke stärken.
Häufige Fragen
- Ist Fachkräftemangel dasselbe wie Arbeitskräftemangel?
- Nicht ganz. Arbeitskräftemangel meint einen Mangel an Arbeitskräften insgesamt. Fachkräftemangel bezeichnet enger das Fehlen passend qualifizierter Personen für bestimmte Tätigkeiten. Der WKÖ-Arbeitskräfteradar fasst beides zusammen.
- Welche Branchen sind in Österreich am stärksten betroffen?
- Als besonders angespannt gelten unter anderem technische Berufe, Pflege und Gesundheit, IT sowie Tourismus und Gastronomie. Die konkrete Lage unterscheidet sich je nach Region und Qualifikationsniveau.
- Was können Kandidat:innen aus dem Fachkräftemangel machen?
- In gefragten Berufen verbessert der Mangel die Verhandlungsposition: mehr Auswahl, bessere Konditionen und die Chance, Arbeitgeber gezielt nach Kultur und Entwicklung auszuwählen, statt jedes Angebot annehmen zu müssen.