Bewerbung
Bewerbung schreiben: Aufbau, Inhalt und Beispiele für Österreich
- Anschreiben
- Lebenslauf
- Bewerbungsfoto
- Initiativbewerbung
Eine vollständige Bewerbung in Österreich besteht aus Anschreiben, tabellarischem Lebenslauf und Zeugnissen – ein Bewerbungsfoto ist üblich, aber nicht verpflichtend. Entscheidend ist weniger die Länge als der erkennbare Bezug zur ausgeschriebenen Stelle: Wer die drei wichtigsten Anforderungen des Inserats mit je einem konkreten Beleg beantwortet, ist weiter als die Mehrheit der Mitbewerbenden.
Was gehört in eine Bewerbung?
In Österreich sind drei Bestandteile Standard. Alles Weitere ist optional und sollte nur mitgeschickt werden, wenn es für die Stelle wirklich etwas beiträgt.
Anschreiben (Bewerbungsschreiben)
Eine Seite. Beantwortet die Frage, warum genau Sie auf genau diese Stelle passen – nicht Ihre Lebensgeschichte.
Lebenslauf
Tabellarisch, in umgekehrt chronologischer Reihenfolge (aktuellste Station zuerst). Ein bis maximal zwei Seiten.
Zeugnisse und Nachweise
Dienstzeugnisse, Abschlusszeugnis, relevante Zertifikate. Als eine zusammengefasste PDF-Datei, nicht als zehn Einzelanhänge.
Bewerbungsfoto: in Österreich üblich
Anders als im angloamerikanischen Raum gehört ein Foto in Österreich weiterhin zur gängigen Praxis. Verpflichtend ist es nicht, und das Weglassen darf Ihnen nicht zum Nachteil ausgelegt werden. Wenn Sie eines verwenden: aktuell, freundlich, professionell ausgeleuchtet – ein zugeschnittenes Urlaubsfoto fällt negativ auf.
Wie baue ich das Anschreiben auf?
Der häufigste Fehler ist der Einstieg „Hiermit bewerbe ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle“. Dieser Satz sagt nichts, was nicht ohnehin klar wäre, und verbraucht die aufmerksamste Zeile des gesamten Dokuments.
Schwacher Einstieg
Hiermit bewerbe ich mich auf die von Ihnen auf Ihrer Website ausgeschriebene Position als Projektleiter. Ich bin motiviert, teamfähig und belastbar.
Besserer Einstieg
In den letzten vier Jahren habe ich bei der Muster GmbH Bauprojekte mit Volumina zwischen 2 und 8 Millionen Euro geleitet – zuletzt die Sanierung des Standorts Linz, die wir drei Wochen vor Termin übergeben haben.
Danach folgt der Kern: Nehmen Sie die drei wichtigsten Anforderungen aus dem Inserat und beantworten Sie jede mit einem konkreten Beleg. Ein Beleg besteht aus Situation, Handlung und Ergebnis – idealerweise mit einer Zahl.
- Adressieren Sie eine namentlich genannte Person, wenn das Inserat eine nennt.
- Halten Sie sich an eine Seite. Wer zwei Seiten braucht, hat nicht priorisiert.
- Formulieren Sie in Ihrer eigenen Sprache – Textbausteine aus Vorlagen erkennt jede Recruiterin sofort.
- Schließen Sie mit einem klaren Satz zur Verfügbarkeit und Gesprächsbereitschaft.
Worauf kommt es im Lebenslauf an?
Der Lebenslauf wird beim ersten Durchgang überflogen, nicht gelesen. Er muss deshalb so gebaut sein, dass die relevanten Informationen auch beim schnellen Scannen hängen bleiben.
- Umgekehrt chronologisch: Die aktuellste Position steht oben, weil sie am meisten aussagt.
- Pro Station nicht nur die Rolle, sondern zwei bis drei Aufgaben oder Ergebnisse – Verantwortungsumfang statt Berufsbezeichnung.
- Zeiträume mit Monat und Jahr. Reine Jahresangaben wirken, als sollten Lücken verdeckt werden.
- Lücken offen benennen und in einem Halbsatz einordnen. Karenz, Pflege, Weiterbildung oder Neuorientierung sind normal.
- Sprachniveaus nach dem europäischen Referenzrahmen (A1 bis C2) statt „gute Kenntnisse“.
- Als PDF speichern, benannt nach dem Muster Nachname_Vorname_Lebenslauf.pdf.
Welche Fehler kosten am häufigsten das Gespräch?
- Der falsche Firmenname im Anschreiben – der sichere Weg ins Aus, und häufiger als man denkt.
- Eine Bewerbung, die auf jede Stelle passen würde, und deshalb auf keine.
- Aufzählungen von Eigenschaften ohne Beleg: motiviert, teamfähig, belastbar.
- Zehn einzelne Dateianhänge statt einer PDF.
- Eine E-Mail-Adresse aus Schulzeiten. Vorname.Nachname ist der Standard.
- Kein Ansprechpunkt für Rückfragen: Telefonnummer und Verfügbarkeit fehlen.
Vor dem Absenden gegenlesen lassen
Lassen Sie die Bewerbung von einer Person lesen, die Ihren Beruf nicht kennt. Wenn sie nach dem Anschreiben sagen kann, was Sie können und warum Sie sich bewerben, ist der Text gut. Wenn nicht, fehlt Konkretes.
Häufige Fragen
Anschreiben eine Seite, Lebenslauf ein bis zwei Seiten. Bei mehr als zehn Berufsjahren dürfen es zwei Lebenslaufseiten sein – ältere Stationen werden dann nur noch mit Zeitraum, Rolle und Unternehmen genannt.
Der Aufbau kann gleich bleiben, der Inhalt nicht. Mindestens der Einstieg und die drei Belege müssen sich auf die konkrete Ausschreibung beziehen, sonst wirkt die Bewerbung wie ein Serienbrief.
Bewerben Sie sich trotzdem, wenn Sie etwa zwei Drittel erfüllen. Inserate beschreiben ein Wunschprofil, keine Mindestanforderung. Gehen Sie auf die fehlende Anforderung offen ein und zeigen Sie, wie Sie sie sich aneignen – das wirkt souveräner als Auslassen.
Ja, besonders bei Unternehmen, die selten ausschreiben. Sie muss dann aber erkennen lassen, welche Aufgabe Sie sich konkret vorstellen – eine Initiativbewerbung ohne Zielrolle lässt sich intern niemandem zuordnen.
Dieser Beitrag gibt einen Überblick nach bestem Wissen (Stand: Juli 2026) und ersetzt keine Rechtsberatung. Verbindliche Auskünfte zu Arbeitsrecht und Kollektivverträgen erteilen die Arbeiterkammer und die zuständige Gewerkschaft.
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